Soziale Dreigliederung

Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit

Die soziale Dreigliederung hat Rudolf Steiner bereits vor 100 Jahren entwickelt. Sie “beschreibt die Grundstruktur der Gesellschaft, in der die Koordination der gesamtgesellschaftlichen Lebensprozesse nicht zentral durch den Staat oder eine Führungselite erfolgt, sondern in der drei selbst verwaltete und relativ autonome Subsysteme sich gegenseitig die Waage halten.

Die drei Subsysteme oder auch Hauptbereiche der Gesellschaft sind:

  • das Geistesleben, das Bildung, Wissenschaft, Religion und Kultur umfasst, sowie die Zusammenarbeit der Menschen (verstanden als Kreativitätsfaktor, etwa die Kultur der Entscheidungsprozesse oder das Betriebsklima betreffend). Als Produktionsfaktor wäre die Arbeit dem Wirtschaftsleben zuzuordnen.
  • das Rechtsleben, das Gesetze, Regeln und demokratische Vereinbarungen der Gesellschaft umfasst.
  • das Wirtschaftsleben, das die Produktion, den Handel und Konsum von Waren und Dienstleistungen beinhaltet.

Sie werden als autonom und gleichrangig, aber unterschiedlich in ihrem Wesen beschrieben.

Jedem Hauptbereich wird ein Ideal der Französischen Revolution als leitendes Prinzip zugeordnet:

  • die Freiheit dem Geistesleben,
  • die Gleichheit dem Rechtsleben,
  • die Brüderlichkeit dem Wirtschaftsleben.

Hierbei soll ein jedes dieser drei sozialen Glieder „…in sich zentralisiert sein; und durch ihr lebendiges Nebeneinander- und Zusammenwirken kann erst die Einheit des sozialen Gesamtorganismus entstehen.” (1)

Dies heißt nicht, der Wirklichkeit eine ausgedachte Utopie überzustülpen, sondern bedeute Wesenserkenntnis ohnehin schon vorhandener Wirkungsweisen nach dem Gesetz von Polarität und Steigerung, das Goethe als maßgeblich für die Morphologie (2) erkannte: „…wir machen…auf eine höhere Maxime des Organismus aufmerksam, die wir folgendermaßen aussprechen. Jedes Lebendige ist kein Einzelnes, sondern eine Mehrheit,….Je unvollkommener das Geschöpf ist, desto mehr sind diese Teile einander gleich oder ähnlich und desto mehr gleichen sie dem Ganzen. Je vollkommener das Geschöpf wird, desto unähnlicher werden die Teile einander….Die Subordination der Teile deutet auf ein vollkommenes Geschöpf.“ (3) Steiner bezieht diese Vorstellung unmittelbar auf den sozialen Organismus, indem er sagt: „Die Auseinanderspaltung ist eigentlich immer da; es handelt sich nur darum, dass man findet wie die drei Glieder zusammen gebracht werden können, so dass sie nun tatsächlich im sozialen Organismus mit einer solchen inneren Vernunft wirken, wie, sagen wir, das Nerven-Sinnes-System, das Herz-Lungen-System und das Stoffwechselsystem im menschlichen Organismus wirken“ (4)”(Quelle: Goetheanum)

Diese Gedanken zur sozialen Dreigliederung haben uns sehr inspiriert und ins Tun gebracht. Sichtbar wird dieses in dem Ideal unseres Herzprojekts, das uns beflügelt, nach Mehr zu streben: Einer Idee von einem Therapie- und Bildungszentrum, in der nicht nur Bildungsangebote, Therapiemöglichkeiten und Gemeinschaftsbildung gelebt werden, sondern last but not least soziale Dreigliederung. Dieses Ideal treibt uns feurig an. Wir würden uns freuen, wenn ein Funke dieses Feuers auf Sie überspringen würde. Noch mehr würde uns freuen, wenn diese Seiten motivierend dazu beitragen, dieses Ideal als Projekt entstehen zu lassen, damit es praktisch umgesetzt wird. Dass wir das nicht alleine tun können, ist uns bewusst. Wir brauchen Sie! 

Weitere Informationen über Soziale Dreigliederung finden Sie hier: 

https://anthrowiki.at/Soziale_Dreigliederung
https://www.dreigliederung.de/steiner
http://sozial.goetheanum.org/arbeitsbereiche/dreigliederung/

  1. Steiner, Die Kernpunkte der sozialen Frage, Dornach 1961, S. 71.
  2. Vgl. Michael Heinen-Anders: Aus anthroposophischen Zusammenhängen, Norderstedt 2010, S. 60 – 61
  3. Johann Wolfgang von Goethe: Schriften zur Naturwissenschaft, Stuttgart 1977, S. 48 f.
  4. Steiner, Nationalökonomischer Kurs, GA 340, Dornach b. Basel 1979, S. 154.