Michaeli: Was hat das Böse mit mir zu tun?

Michaeli: Was hat das Böse mit mir zu tun?

28. September 2019 0 Von Ilona

Michaeli ist ein wichtiges Herbstfest. Gewidmet ist er dem Erzengel Michael, Wer ist das und was will uns dieser Tag sagen? Michael – dieser Name steht übersetzt für die gewichtige Frage „Wer ist wie Gott?“ Die Hebräer übersetzten den Namen mit „Gottschauer“. Was muss das für ein Wesen sein, das so einen bedeutungsvollen Namen trägt und dessen Wirken wir am 29. September feiern?

Michael ist der vierte der vier führenden Erzengel neben Gabriel, Raphael und Uriel. Seine Erscheinung ist – so heißt es – imposant, denn er trägt ein flammendes Schwert, das aus Meteoreisen geschmiedet wurde. Schon das deutet darauf hin, dass es sich um ein himmlisches Wesen handelt, denn Meteoreisen ist in einer geringen Menge in jedem Asteroiden zu finden. Meteoritisches Eisen wurde schon vor der eigentlichen Eisenzeit zur Herstellung von Kultgegenständen, Werkzeugen oder Waffen benutzt. Michaels Gewand ist rot und nicht wenige Künstler malten ihn als kraftvollen, entschlossenen Engel, von dem so manche Schwiegermutter träumen könnte, wenn, ja wenn er nur ein Mensch wäre.

Bezwinger des Satans

Erzengel Michael hat bereits bewiesen, dass er in der Lage ist Großes zu leisten – er ist der Bezwinger Satans, den man auch Ahriman nennt. Eines Tages, nämlich genau am Tag des Jüngsten Gerichts wird er die Aufgabe übernehmen, die Seelen zu wiegen. Sein Element ist das Feuer, weshalb er auch gern mit einem Flammenschwert dargestellt wird. Gegenwärtig ist er damit beschäftigt, die Erdentwicklung im Dienst des Christus so zu fördern, dass sich das menschliche Ich so reich wie möglich entfalten kann.

Ein verschlossener Erzengel

Wirkte Michael früher eher im Verborgenen, so ist das seit dem letzten Drittels des 19. Jahrhunderts anders, denn seitdem ist es möglich dem Geiste Michaels in bewusster Weise zu begegnen. Klingt einfach, ist es aber nicht, denn Michael ist eine eigenartige Wesenheit, die eigentlich nichts offenbart, wenn man ihr nicht mittels geistiger Arbeit von der Erde aus etwas entgegenbringt. Neben diesem bedeutsamen Handel zwischen Geben und Nehmen, ist Michael ein schweigsamer und eher verschlossener Erzengel. Er gibt höchstens spärliche Direktiven, denn das, was man von Michael erfährt, ist eigentlich nicht das Wort, sondern -so beschreibt es Rudolf Steiner – der Blick, die Kraft des Blickes. Wir müssen uns also fragen: Was sehen wir und wie sehen wir hin? Das hat vor allem etwas mit dem Denken zu tun, mit dem wir die physisch-sinnlichen Eindrücke verarbeiten. Das weist darauf hin, dass sich Michael am meisten mit demjenigen verbindet, was die Menschen denken. Und: Er lebt in den Folgen dessen, was der Mensch gedacht hat.

Held der Freiheit

Das machen die anderen Erzengel nicht. Die konzentrieren sich auf die Ursachen und regen im Menschen das Tun an. Sie bearbeiten den Willen. Michael hingegen wird einmal der geistige Held der Freiheit sein. Denn er lässt uns Menschen in Freiheit handeln und nimmt das, was aus aus unseren Taten wird auf, um es im Kosmos zu einer geistigen Tat zu wandeln. Er kümmert sich also um die Folgen unseres Tuns.

Zu was fordert uns Michael heraus? Es geht, so beschreibt es Rudolf Steiner, um dieses Sich-Aufschwingen, dass man von den Gedanken über das Geistige ebenso durchpulst wird, wie durch irgendetwas Physisches in der Welt. Geschieht das, dann ist das Michael-Kraft! Es kommt also darauf an, Vertrauen haben zu den Gedanken aus der geistigen Welt, wenn man die Anlage dazu hat, sie überhaupt aufzunehmen, so dass man weiß: Dieser Gedanke? Der kommt von „oben“. Der Mensch gibt sich im Augenblick dieses Denkens quasi hin und wird zum Werkzeug der geistigen Welt.

Dabei dürfen uns Misserfolge nicht abschrecken, wenn man vergeblich auf eine Inspiration aus dem Geistigen hofft oder wenn man diese Gedanken nicht sofort in Taten umsetzen kann oder gar die Taten nicht gelingen. Denn kein Misserfolg ist jemals ausschlaggebend für die Wahrheit eines geistigen Impulses, dessen Wirkung innerlich durchschaut und ergriffen ist. Denn erst dann hat man Vertrauen zu einem geistigen Impuls, wenn man sich sagt: Hundert Male habe ich Misserfolg gehabt, das kann mir aber höchstens beweisen, dass für mich in dieser Inkarnation die Bedingungen zur Realisierung dieses Impulses nicht gegeben sind. Dass dieser Impuls aber richtig ist, das erkenne ich durch den Charakter dessen, den der Gedanke hat.

Vertrauen und Durchhaltevermögen

Es geht an Michali darum, sich bewusst zu machen weder das Vertrauen noch das Durchhaltevermögen zu verlieren ! Was zählt ist die innere Überzeugung: Selbst, wenn es auch erst nach der hundertsten Inkarnation sein wird, dass mir zur Realisierung dieses Impulses die Kräfte zur Verfügung stehen – nichts bringt mich davon ab, daran zu glauben, dass es eines Tages gelingt.

Wenn unser Gemüt dieses große Vertrauen entwickeln konnte oder kann, wenn man also felsenfest an etwas festhält, von dem man überzeugt ist, dass das geistig siegreich ist und der Versuchung widersteht diesen Impuls loszulassen, selbst wenn die ganze Welt dagegen spricht, dann bekommen wir eine Vorstellung von der Michaeli-Kraft, die Michael von jedem Menschen will.

Warum feiern wir am 29. September Michaeli?

Wir wissen jetzt wer Michael ist, wie er aussieht, wofür er steht, und wozu er uns auffordert. Aber warum feiern wir gerade am 29. September  Michaeli? Dass wir heute und nicht im Winter oder Frühjahr Michaeli feiern, liegt am Rhythmus der Erde, am Jahreskreislauf und an den Aufgaben des Erzengels.

Dazu muss man wissen: Im Geistigen atmet auch unsere Erde und im Sommer findet – so beschreibt es Rudolf Steiner – das Ausatmen der Erde statt. Mit Michaeli fängt unsere Erde wieder an, Luft zu holen – sie atmet wieder ein. Die Erdenseele, die in den Kosmos hineingeatmet wurde, zieht sich wieder in das Innere der Erde zurück. Das bleibt für uns Menschen nicht ohne Wirkung, denn unsere Seelen nehmen unterbewusst oder in ihren hellseherischen Impressionen dieses Einatmen des Erdenseelenhaften als Vorgänge ihrer eigenen Seele wahr.

Einweihungserkenntnis

Die Menschen, die inspiriert waren von der Einweihungserkenntnis über solche Dinge, wussten: Was uns der Kosmos gegeben hat und das, was sich mit unserer Seelenkraft mit dem Christus-Impuls verbunden hat, flutet jetzt wieder zurück in das Irdische. Sie wussten, dass der Sommer hindurch nur der Reflexion gedient hat, dass der Sommer den außerirdischen Kosmos spiegelt. Ein Spiegel hat den Nachteil: Er reflektiert nur, er lässt keinen Blick auf das zu, was hinter ihm liegt.

Wenn die Erde nun im Sommer zum Spiegel des Kosmischen wird, geschieht etwas sehr Bedeutsames: Sie ist in dieser Zeit gewissermaßen auch in ihrem Inneren undurchsichtig, undurchlässig für das Kosmische. Sie ist – und das ist das Wichtige – auch undurchlässig für den Christus-Impuls. Wenn man dem ein wenig nachspürt, fühlt man vielleicht, dass sich dieser Gedanke nicht so richtig angenehm anfühlt. Man fühlt sich eigentümlich nackt und ungeschützt. In der Tat ist das auch so, denn in dieser Zeit haben die ahrimanischen Kräfte alle Möglichkeiten sich in der Erde festzusetzen. Wenn wir jetzt mit dem Einatmen der Erde seelisch und geistig wieder in sie hineintauchen, betreten wir sozusagen teuflischen Boden. Wenn wir an Michaeli ein fröhliches Fest feiern, dann deutet das darauf hin, dass wir in diesem Sumpf nicht steckenbleiben. Denn, so habe ich eingangs schon bemerkt: Seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts kommt uns Menschenseelen aus Geisteshöhen Erzengel Michael zu Hilfe, der mit seinem Flammenschwert den Drachen Ahriman bekämpft und niederstreckt.

Prophezeitung der Mysterien

Jetzt stellt man fest, dass das Michaelifest aber viel älter ist. Wie kann es sein, dass Menschen, die noch gar nicht in den Genuss der michaelischen Tatkraft gekommen sind, dieses Fest gefeiert haben? Sie haben es gefeiert, weil in den alten Mysterien diese Entwicklung prophezeit wurde. Sie wussten, dass wenn auch mehrere Reinkarnationen ins Land gehen, diese Michael-Kraft eintreten wird und diese uns zu Hilfe kommt.

Umso verantwortungsbewusster sollten wir mit diesem Tag umgehen, denn wir kommen jetzt hier und heute in den Genuss dieser Kraft. Wir zehren nicht mehr nur von dem Glauben an sie. Sie ist da! Umso wichtiger ist es, das richtige Bewusstsein für diese Zeit zu entwickeln, um zu verstehen, dass es nur darum gehen kann, den Kampf mit dem Drachen aufzunehmen. Man muss sich in diesem Sinne in die Erden- und Menschheitsentwickelung einfügen und auch einbringen, indem man mit dem eigenen Bewusstsein in der rechten Weise an diesem kosmisch-geistigen Kampf teilnimmt. Warum ist es gerade jetzt wichtig, den Kampf gegen Ahriman aufzunehmen? Weil das nächste große Jahresfest Weihnachten ist.

Die Erde vom Bösen reinigen

Es ist keine schöne Vorstellung, wenn in diese ahrimanisierte Erde die Geburt Jesu hineinfiele! Bevor also der Jahreskreislauf wieder einmal vollendet ist und der Dezember anklopft, in dem der Christus-Impuls geboren wird, muss die Erde durch geistige Kräfte gereinigt sein von dem Drachen, von den ahrimanischen Kräften. Die Michaelskraft muss sich mit dem Atemholen der Erde vereinen, damit quasi alles rein ist, wenn Christus Licht in das Dunkel der Welt bringt. Nur dann kann der Christus-Impuls optimal bis zum Beginn des Ausatmens der Erde, also zur Osterzeit, reifen.

Michaeli: Dem Bösen die Stirn bieten

Wenn man sich so umschaut auf dieser Welt, dann gibt es nicht nur geistig viel zu tun, um dem Bösen die Stirn zu bieten. Dieses Tun ist natürlich immer auch einer Entwicklung unterworfen. Die findet bei jedem ganz persönlich statt und diese mündet idealerweise durch entsprechende Impulse in einer Gesellschaft, die sich – so künden es die Schlagzeilen – in einer sehr polaren Art und Weise aufgemacht hat, sich zu wandeln. Wir leben in einer spannenden Zeit, in der wir uns nicht nur an Michaeli,  sondern jeden Tag fragen müssen: Was ist das Böse und was hat das Böse mit mir zu tun? Was kann ich ändern? Ich persönlich habe diese Herausforderung angenommen, dabei mitzuwirken dem Bösen die Stirn zu bieten. Als Mensch der Kommunikation tue ich das mit dem Wort. Auch das Wort kann ein Schwert sein. Die Michaelkraft, die spüre ich mehr denn je und zunehmend denke ich: Diene ihr und schenke ihr deine Talente. Das hat die Wahrheit und unsere Erde mehr denn je nötig. Was schenken Sie?

 

Das Bild zeigt Erzengel Michael, ein Motiv von Leopold Kupelwieser von 1860 im Hauptschiff der Altlerchenfelder Kirche in Wien. 

Quellen:

GA 233a, S. 93f 

GA 223, S. 117f

https://anthrowiki.at/Jahresfeste#Michaeli