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Mein Freund, der Tod

Mein Freund, der Tod

Das Leben ist eine runde Sache

Er ist ein dunkler Monat, der November. Ich habe ihn eigentlich immer gemocht, denn früher, als Kinder haben wir Kastanien gesammelt, Martins-Laternen gebastelt und Mitte November fing meine Oma immer an, Weihnachtsplätzchen zu backen. Gemütlich war es, es gab warmen Kakao, von dem mir zwar immer schlecht wurde, den ich aber trotzdem trank, weil ich wusste, dass er mit Liebe gemacht wurde. Die Zeit schien etwas langsamer zu vergehen und ich fieberte dem 1. Advent entgegen, weil dann alles endlich hübsch geschmückt wurde. Diese scheinbare Idylle wurde immer nur getrübt durch die lästigen Friedhofsbesuche, bei denen man als Kind traurig gucken musste, obwohl ich zu diesem Blumenbeet, vor dem alle bedrückt standen und still beteten, so gar keinen Bezug hatte.

Der Tod hat für mich keinen Schrecken

Die Menschen, die dort vor vielen Jahren begraben wurden, kannte ich nicht und als dort dann später Oma und Opa gedacht wurde, habe ich zwar keine Kastanienmännchen mehr gebastelt, wesentlich anders ging es mir trotzdem nicht. Schließlich hatte und habe ich sie auch in den anderen Jahreszeiten tief in meinem Herzen und das sehr lebendig. Komischerweise hatte der Tod für mich nie diesen Schrecken, wie für andere Menschen. Ich habe ihn, wenn ich mit ihm in Berührung gekommen bin, eigentlich als einen Segen empfunden und erlebte ihn, als ich meinen Vater beim Sterben begleitete, sogar als Geschenk. Natürlich für meinen Vater aber auch für mich, weil ich beobachten durfte, wie er Zug um Zug das Leben ausatmete. Ich durfte lernen, wie stark das Leben ist und wie weise die Schöpfung, auch wenn wir vieles im Grunde genommen überhaupt nicht verstehen.

Wenn ich etwas in diesem Zusammenhang beklemmend finde, dann dass so viele erst viel zu spät begreifen, was sie hätten leben wollen. Die Angst vor dem Tod verhindert viel Leben. Stirbt ein Mensch sehr früh, bedauern die Angehörigen das ungelebte Leben, stirbt der Mensch spät, sind es die Sterbenden selbst, die nicht selten bereuen, zu wenig aus ihrem Leben gemacht zu haben.

„Hier stimmt was nicht“

Das Leben nach dem Tod hat mich von Anfang an beschäftigt. Im Studium habe ich mich mit dem Thema aus der Perspektive der christlichen Kirche auseinandergesetzt, ich habe die großen Philosophen dazu studiert und dachte stets: Hier stimmt was nicht, hier fehlt was. Die Finsternis, die mit dem Tod verbunden wird, konnte und kann ich nicht nachvollziehen. Das Fegefeuer als angstmachendes Schreckensszenario kam mir nicht echt vor. Viele Jahre dachte ich, dass ich deshalb, irgendwie eine Schraube locker hätte und habe das Thema versucht zu verdrängen. Erfolglos, wie man spätestens jetzt durch diesen Podcast weiß. Da die Zeit des Skorpions in diesen Tagen und das bis zum 21. November aktiv ist, möchte ich meine Sicht auf dieses Thema mit Euch teilen. Denn das Tierkreiszeichen des Skorpions lädt uns ein, uns mit dem Tod und dem Sterben auseinander zu setzen.

Der Tod ist keine Bestrafung

Der Tod ist in das menschliche Leben getreten, in dem Moment, als Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis naschten. Das als eine Art Bestrafung zu deklarieren, wäre der falsche Ansatz. Vielmehr ist es doch so, dass wir dadurch die Möglichkeit errungen haben, sinnlich-physisch Erkenntnisprozesse auf dieser Erde zu durchlaufen, die irgendwann – mal früher und mal später beendet sind. Wir haben die Freiheit von den Göttern mitbekommen, um uns hier unten auf der Erde mit Erkenntnissen anzureichern, die uns bei unserer Weiterentwicklung als Mensch weiterhelfen. Da wir diese in der geistigen Welt nicht erringen können, inkarnieren wir uns auf der Erde. Wozu das Ganze, wenn es nach dem Tod nicht zu etwas brauchbarem transformiert werden kann? Das habe ich mich so lange gefragt, bis Rudolf Steiner in mein Leben getreten ist, der diesen blinden Fleck endlich für mich klärte und mir einen wunderbaren Blick auf das gesamte Panorama des Seins offenbarte.

Teil der geistigen Welt

Er machte mir zwei Faktoren bewusst: Einmal, dass der Mensch neben einem Körper und einer Seele auch einen Geist hat. Wir sagen dazu auch höheres Selbst, oder Ich. Mit diesem Geist sind wir Teil der sogenannten geistigen Welt. Alle Geister zusammen bilden den Weltengeist, der auch „heiliger Geist“ genannt wird oder Logos. Den Geist unterschlagen die Kirchen gern ihren Schäfchen, denn er würde ihnen das Bewusstsein geben, dass sie mit ihrem Geist auch göttliche Schöpferkraft in sich vereinen. Gepaart mit der Freiheit sind wir mit diesem Bewusstsein nicht mehr so „klein“ und gefügig zu halten, weshalb diese Geheimniskrämerei aus Sicht der Kirche Sinn macht. Die Kirche betont die Seele, aber nicht, dass diese neben den sinnlich-physischen Eindrücken auch von den geistigen Impulsen belebt wird. Der Ablasshandel, auf dem das Vermögen der Kirche im Wesentlichen beruht, wäre nicht denkbar gewesen, wenn das die Menschen gewusst hätten. Noch heute spenden die Menschen gern für sich und ihre Angehörigen, damit es im Jenseits unter den Füßen nicht so heiß wird.

Reinkarnation ist keine schräge Idee

Zum anderen haben Steiners Bücher und sein Vortragswerk mir vermittelt, dass der Reinkarnationsgedanke nicht nur eine schräge Idee von „esoterischen Spinnern“ ist, sondern das eigentliche Lebenskonzept. Seitdem gehe ich noch entspannter und doch voller Achtung mit diesem großen und für viele beklemmenden Thema Tod um. Das Leben endet mit dem Tod nicht, wir wechseln lediglich die Ebene. So wie wir mit der Geburt in das irdische Leben geboren werden, werden wir mit dem Tod in das Geistige „hineingeboren“. Der Kreislauf des Lebens ist also eine runde Sache. Nur das Leben auf der Erde zu betrachten, kann nie mehr sein als eine halbe.

Angst vor dem Sterben

Warum haben die Menschen vor dem Tod soviel Angst? Da ist zunächst einmal ein Leben, was zu Ende geht. Fragt man die Menschen, ob sie Angst vor dem Tod haben, dann sagen die meisten: Vor dem Tod nicht, aber vor dem Sterben. In der Tat sterben die einen leichter und andere tun sich damit sehr schwer. Zahlreiche Geistliche, aber auch Mitarbeiter von Hospizen haben beobachtet: Menschen, die an einen Gott, an ein Leben nach dem Tod, an eine höhere Führung glauben, tun sich mit dem Sterben leichter. Menschen sterben, aber auch Tiere tun das, denn beide haben nicht nur Lebenskraft (Ätherleib), sondern auch eine seelische Gefühlswelt (Astralleib). Pflanzen und Mineralien sterben nicht im eigentlichen Sinne. Sie unterliegen einem Zerstörungsprozess. Das Sterben möchte ich heute aber nicht weiter vertiefen.

Der Tod, der heute mein Thema sein will, bedeutet Ausgang. Nun wissen wir aus Erfahrung. Benutzen wir einen Ausgang, kommen wir von einem Raum in einen anderen oder von einem Gebäude ins Freie oder, oder, oder. Kurz: Wir wechseln die Location. Wir kommen von einem Lebensraum, dem irdischen, in den nächsten, den geistigen. Wir tun das aber natürlich nur teilweise. Wie wir alle wissen, bleibt unser Körper hier auf der Erde. Mit dem Tod erhebt sich die Seele aus dem Körper und tritt ihre Reise in die geistige Welt an, wo sie sich gewissermaßen mit dem Geist wiedervereint.

Das Ich und der Tod

Das Ich-Bewusstsein, der Geist, ist beim Menschen die eigentliche Ursache des Todes. Denn das Ich stößt sich fortwährend am physischen Leib, der seine Wirkungskräfte beschränkt und wird sich dadurch seiner selbst bewusst. Dadurch zerstört das Ich zugleich die Leiblichkeit, denn es strebt danach, eines Tages wieder frei zu sein, von den körperlichen Einschränkungen.

Umgekehrt ist der Tod die notwendige Voraussetzung dafür, dass der Mensch überhaupt das Ich-Bewusstsein entwickeln kann. Denn mit dem Eintritt in das irdische Leben spaltet sich das Ich in Subjekt und Objekt, während es in der geistigen Welt eine Einheit bildet. Dort gibt es diese Trennung nicht. Durch die Subjekt-Objekt-Spaltung sieht sich der Mensch als individuelles selbstbestimmtes Subjekt mit seiner seelischen Innenwelt den Objekten der Außenwelt gegenübergestellt, worauf sich das heutige Gegenstandsbewusstsein gründet.

Die Polarität ist auch ein Segen

Es reicht nicht, Begriffe nur abstrakt zu bilden und mit Inhalt anzureichern. Sie müssen auch erlebbar und damit erfahrbar werden. Um zu erkennen, was „groß“ ist, muss man erleben, was „klein“ ist. Die Polarität ist nicht nur ein Fluch, durch die wir um Balance ringen müssen, sondern auch ein Segen, weil sie erlebbar macht, wer wir sind. Wir lernen, wer wir sind durch die Begegnung mit demjenigen, was wir nicht sind. Begegnen wir dem Tod, verstehen wir, was Leben ist. Fürchten die Menschen den Tod, weil sie erkennen, wie wenig sie im Grunde leben? Weil tief in ihrem Inneren die Erinnerung schlummert, wer und was sie eigentlich sind? Ist diese Angst nicht die Reaktion auf das Unbehagen, wenn sie sich bewusst werden, was sie aus diesem Leben gemacht haben, wie sie ihre Schöpferkraft nutzten?

 

Interviewt man Menschen, die ein Nahtoderlebnis hatten, die also einen kurzen Blick in die geistige Welt erhaschen konnten, erzählen sehr viele von ihnen, dass sie durch dieses Erlebnis eine radikale Veränderung in ihrem Leben erfahren haben. Die meisten haben ihr bisheriges Leben komplett gewandelt, denn die Weite, das Lichte und das Liebevolle, das sie dort erleben durften, hat sie verändert, transformiert. Fragt man Menschen, die auf dem Weg der Kontemplation Zugang zur geistigen Welt haben, berichten sie von ähnlichen Erlebnissen.

Ein Teil der ewigen Liebe

In der Bibel wird von der ewigen Liebe gesprochen, von der wir ein Teil sein, und die das Schlusswort, das Amen allen Seins ist. Von verängstigenden Fegefeuern berichtet keiner außer jenen, die mit diesen Bildern Macht erhalten und den eigenen Reichtum begründen. Das wäre auch völlig unlogisch, denn welchen Sinn würde es machen, wenn die Quelle allen Seins, Gott oder anders gesagt, die Liebe, uns für einen Lernprozess bestrafen, auf dem wir zwangsäugig auch Fehler machen? Also alles gut, wenn wir den Tod hinter uns haben? Ja, aber.

Denn aus unserem Leben, aus dem woran wir gescheitert sind und dem, was wir gemeistert haben, können wir nur lernen, wenn wir uns auf einer anderen Seins-Ebene auch ein Bewusstsein darüber verschaffen. Das bilden wir nach dem Tod, so beschreiben es viele große Denker, durch den Läuterungsprozess, durch das Kamaloka, wie Steiner diese Phase nach dem Tod nennt. In ihr wird unsere erlebte Außenwelt unsere Innenwelt und umgekehrt.

Geistige Begleiter

Unser Inneres erfahren wir also im Außen. Mag sein, dass bei diesem Erkenntnisprozess der ein oder andere erschrecken mag. Doch diesen vielleicht rauen und steinigen Erkenntnisweg gehen wir nicht allein, sondern erleben ihn mit unseren geistigen Begleitern: Engeln, unserer geistigen Familie und anderen Wesen, die mit uns verbunden sind. Unser Ziel ist, geistig zu verinnerlichen, was sinnlich-physisch für uns auf der Erde erlebbar wurde. Wir wachsen, reifen und entwickeln uns und können nach dem Kamaloka entscheiden, ob wir diesen Lernprozess auf der Erde durch ein weiteres Leben fortsetzen.

„Stirb und Werde“

In der Astrologie werden all diese Themen durch Pluto repräsentiert, der das Tierkreiszeichen Skorpion beherrscht. „Stirb und Werde“ ist seine große Überschrift. Er ruft uns auf, das auf der Erde zu tun und macht uns durch seine Botschaft bewusst: Auch auf der Erde haben wir den Tod immer auf unserer Seite, denn nur durch ihn kann Wandel und Entwicklung entstehen. Sichtbar erleben wir das, wenn im Herbst die Blätter von den Bäumen fallen. In den Ästen ist in diesem Moment der Frühling bereits angelegt. Jedem Neubeginn im Leben ist ein Sterben auf einer bestimmten Ebene vorausgegangen.

Der Tod ist nicht das Ende

Wir nennen das nur nie so dramatisch, sondern reden von Krisen, Problemen, Veränderungen, „Keinen Bock mehr“ und so weiter. Wir erleben das aber auch jede Nacht, wenn wir schlafen, denn dann ist unser Bewusstsein auch nicht in dieser Welt, sondern zu Hause, in der geistigen. So wie wir darauf vertrauen, dass wir morgens wieder wachwerden, dürfen wir vertrauen, dass der Tod nicht das Ende ist, denn das ist das Einschlafen auch nicht. Jeder kommt wieder. Es sei denn sein Geist ist so weit entwickelt, dass er das nicht mehr muss. Ich kenne niemanden, bei dem ich das annehmen kann. Das gibt mir das gute Gefühl: Ich sehe euch alle wieder. Und das erfüllt mich mit Freude, denn wir sind alle auf dem gleichen Weg.

Wir sollten lernen, den Tod als Freund zu sehen, der uns bewusst machen will: Das Leben? Lebt es lebendig, neugierig und tatkräftig, genießt es und freut auch daran und miteinander. Gestaltet es mit Phantasie, verantwortungsbewusst und mit dem Wissen: Im Grunde sind wir alle nichts anderes als Kinder der Liebe.

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