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Schicksal

Das Schicksal und die Götter...

Das Schicksal ist ein vielbeschworener Begriff. Mit ihm werden die Ereignisse im Leben eines  Menschen bezeichnet, die sich der Freiheit des Menschen entzogen haben. Man nennt sie dann Zufall oder göttliche Fügung. Immer ist es scheinbar eine höhere Macht, die eingreift und das auf eine ganz unterschiedliche Weise. „Das Schicksal meint es gut mit dir!“ oder „Vom Schicksal gestraft…“ sind zwei Seiten einer Medaille. Die Mythologie verknüft mit dem Schicksal Namen wie Fortuna oder die Nornen, die den Schicksalsfaden weben. Im Christentum aber auch im Islam ist die göttlichen Vorsehung verankert. Aber – wählt der Mensch sein Schicksal nicht selbst? Denn da ist doch auch noch die Freiheit, die wir von den Göttern geschenkt bekommen haben. Wie passt ein göttlich gelenktes Schicksal und unsere Freiheit zusammen?

Die Freiheit des Menschen gründet nach Rudolf Steiner darauf, dass ihm die Gesetze seines Handelns bewusst sind und er darauf seine Entscheidungen gründen kann. Ausgangspunkt der Freiheit ist also nicht einfach nur der freie Wille, sondern die Freiheit der Gedanken, die sich der Mensch im reinen, sinnlichkeitsfreien Denken durch moralische Intuition erringen kann.

Freier und unfreier Geist

Was bedeutet das? Der freie Geist handelt nach seinen Impulsen und nicht nach denen anderer. Das sind  Intuitionen, die er aus dem Ganzen seiner Ideenwelt durch das Denken ausgewählt hat. Für den unfreien Geist liegt der Grund für seine Handlungen in der ihm gegebenen Wahrnehmungswelt. Er orientiert sich an seinen bisherigen Erlebnissen also an seinen Erfahrungen. Oder er erinnert sich, was jemand in einer ähnlichen Situation getan hat oder zu tun für gut geheißen hat, oder was Gott für diesen Fall befohlen hat. Das macht ein freier Geist anders.

Ein freier Geist schließt in seinem bewussten Durchdenken eines Sachverhaltes bewusst alles instinkt- und triebhafte aus. Er denkt also gründlich über sein Motiv nach, bevor er handelt. Auch folgt der freie Mensch nicht irgendwelchen Normen und Erfahrungen, sondern er handelt aus Liebe zu dem was er tut.  Der freie Geist durchpulst die Liebe zur Tat. Nur wenn ein Mensch sich mit der Liebe verbunden hat, kann er sein Handeln selbstbestimmt und autonom gestalten, allen äußeren Zwängen zum Trotz.

Hier darfst du gern kurz eine Pause einlegen und über diese Aussage nachdenken, denn sie könnte dein ganzen Tun revolutionieren! Gut zu wissen: Das Gegenteil der Liebe ist nicht der Hass, wie viele meinen, sondern die Angst! Sobald die Angst unser Handeln bestimmt, ist unser Tun unfrei. Hat der Mensch keine innere Freiheit, kann er auch die äußere nicht nutzen, selbst wenn sie noch so großzügig vorhanden wäre.

Das Schicksal und unser Denken

Unser Schicksal ist an unser Denken geknüpft und bestimmt unser Handeln. Für beides brauchen wir ein Bewusstsein. Das menschliche Bewusstsein, das Selbstbewusstsein verbindet unsere Wahrnehmung mit unserer Erkenntnis. Es ist der Vermittler zwischen Denken und Beobachtung. Wenn der  Mensch einen Gegenstand beobachtet, erscheint ihm dieser als gegeben. Denkt er über den Gegenstand nach, wird er selbst tätig. Tut er das bewusst, beobachtet er sich selbst beim Denken. Er betrachtet den Gegenstand als Objekt, sich selbst als das denkende Subjekt.

Weil er sein Denken auf die Beobachtung richtet, hat er Bewusstsein von den Objekten. Sobald er sein Denken auf sich selbst richtet, hat er Bewusstsein seiner selbst oder Selbstbewusstsein. Steiner lässt uns auch wissen, dass das Bewusstsein  eng mit dem Doppelstrom der Zeit zusammenhängt. Aus höherer Sicht fließt die Zeit nicht einseitig von der Vergangenheit in die Zukunft. Das ist nur im Ätherischen der Fall. Auf dem Astralplan hingegen fließt die Zeit in umgekehrter Richtung. Die Ereignisse kommen auf uns zu.

Zum Beispiel sehen wir im Physischen zuerst die Henne und dann das Ei. Im Astralischen sieht man umgekehrt erst das Ei und dann die Henne, welche das Ei gelegt hat. Im Astralen bewegt sich die Zeit zurück; erst sieht man die Wirkung und dann die Ursache. Daher der prophetische Blick; niemand könnte künftige Ereignisse voraussehen ohne dieses Rückwärtsgehen von Zeitereignissen.“ (Lit.: GA 95, S. 22)

Das Phänomen des menschlichen Bewusstseins wird der Mensch, so Rudolf Steiner, nur verstehen, wenn man berücksichtigt,  dass der Strom des Seelenlebens nicht nur von der Vergangenheit in die Zukunft, sondern auch von der Zukunft in die Vergangenheit fließt. „Wir stehen im gegenwärtigen Moment zwischen zwei Zeitströmungen: das Ätherische, das in die Zukunft geht, während dasjenige, was wir als Astralisches haben, von der Zukunft in die Vergangenheit zurückfließt.“ (Lit.: GA 124, S. 64f)

Der Moment der Gegenwart

All unsere Vorstellungen hängen mit dem ätherischen Strom aus der Vergangenheit zusammen. Alles Begehren, alle Wünsche, Liebe und Hass, alle Willensimpulse kommen uns mit dem astralischen Strom aus der Zukunft entgegen. Das Übereinanderschlagen dieser beiden Strömungen, der ätherischen und der astralischen, ist das gegenwärtig empfundene Bewusstsein.
 

So wie der Ätherleib der Träger unseres Gedächtnisses ist, so werden die Wirkungen unserer Taten unserem Astralleib eingeschrieben. Wenn wir nach dem Tod das Kamaloka, also den Läuterungsprozess unserer Seele durchleben, wird all das, was wir hier nicht läutern können, der Astralwelt als unser Karma eingeschrieben. Wenn wir zu einer neuen Inkarnation auf die Erde herabsteigen, wird unser Karma dem neu gebildeten Astralleib wieder einverwoben. Damit kommen wir der Erkenntnis näher, wer unser Schicksal bestimmt.

Karmische Aufgabe und unser Schicksal

Der Menschen erlegt sich durch sein Handeln eine zukünftig zu erfüllende karmische Aufgabe auf, der er sich früher oder später nicht entziehen kann. Diese karmische Aufgabe tastet aber nicht nur nicht seine Freiheit an, sondern macht zusammen mit der Erkenntnis von Gut und Böse Karma überhaupt erst möglich. Freiheit bedeutet vor allem, die  Verantwortung für die Folgen seiner Taten auf sich zu nehmen.

Damit ist klar: Das Schicksal ist keine von irgendwelchen Göttern verhängte Strafe, sondern es ist das eigene höher Ich, das diese Verantwortung übernimmt und unser Schicksal gestaltet. Wir sollten und müssen uns für ein tieferes Verständnis des Schicksal demnach von dem Gedanken verabschieden, dass sich diese Verantwortung auf ein einziges Erdenleben ersteckt. Aus anthroposophischer Sicht erweist sich das Schicksal auch als Folge vorangegangener Erdenleben.

Altes und neues Karma

Karma und Reinkarnation erscheinen damit für den Menschen untrennbar miteinander verbunden. Als wäre es nicht schon verzwickt genug, kommt noch ein wesentlicher Aspekt hinzu: Karma ist nicht nur etwas, was wir oder andere in der Vergangenheit voriger Leben verbockt haben.  Nicht alles, was uns zustößt, ist durch vergangene Ereignisse bestimmt, sondern tritt auch völlig neu in unser Leben herein. Unverschuldetes Leid, unter dem wir jetzt bekümmert, wird dann seinen karmischen Ausgleich in der Zukunft finden. Klasse oder?!

Mich hat diese Erkenntnis nicht wirklich befriedigt. Wer ist schon in der Lage, zu erkennen, ob es sich jetzt um altes oder neues Karma handelt, wenn es einem schlecht geht? Diese Unzufriedenheit darüber brachte mich letztendlich zur Astrologie. Denn ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass der an sich ja geniale Kosmos uns orientierungslos in dem Chaos unseres Nichtwissens auf die Erde lässt.

Erkenntnishilfe Astrologie

Die Astrologie kann diese Hinweise geben. Dabei geht es jedoch nicht darum, zu wissen, ob man in einem früheren Leben irgendwen umgebracht hat oder umgebracht wurde oder sowas. Es geht beim „Circle of life“ vielmehr um unsere Seelenqualitäten, darum, uns als geistiges Wesen mit Schöpferkraft mehr und mehr zu veredeln. Dieses anspruchsvolle Thema kann man unmöglich in einem Erdenleben schaffen. Das leuchtet jedem ein, der milde auf sein Leben zurückblickt, um festzustellen, dass auch 200 Jahre Lebenszeit nicht reichen, um auf Wolke 7 als Edelseele Harfe zu spielen. Wir dürfen das häppchenweise angehen.

Unser Geburtshoroskop, mit all seinen Aspekten gibt uns Hinweise, mit welchen Werkzeugen wir diesmal unterwegs sind. In unserem Geburtshoroskop sind unser Temperament, unsere Talente, Lebensthemen und Lernaufgaben verankert. Wir können uns darauf verlassen: So ganz orientierungslos sind wir nicht. Wir haben einen Seelenplan. Unser Geist kennt den und gibt uns immer dann, wenn wir das brauchen, einen Wink mit dem Zaunpfahl, einen Gongschlag oder eben ein ziemliches Problem, wenn wir von der Route abkommen.

Der Reifegrad unserer Seele

Als Mensch haben wir dennoch die Freiheit, jederzeit zu entscheiden, ob wir diesem Plan folgen wollen, oder nicht. Wie wir uns dazu stellen, hängt letztendlich auch vom Reifegrad unserer Seele ab. Den verrät der Blick in ein Horoskop ebensowenig, wie die Form der Ereignisse, also das, was konkret passiert. Wir bekommen aber Hinweise auf die Lebensbereiche, auf die Potenziale, die wir nutzen können und auf die Hindernisse, an denen wir letztendlich wachsen wollen.

Gut ist, sich immer wieder zu vergegenwärtigen, dass alles was uns klein macht, einengt, hindert und verletzt, dazu da ist, damit wir genau das überwinden. Wir wachsen daran, werden stark und reif. Selbstvertrauen ist also gefragt – das bedeutet: sich selbst zu vertrauen. Niemand geringerer als unser Geist ist ein göttliches Wesen mit Schöpferkraft. Unser Geist ist uns meist nur nicht bewusst. In der Meditation können wir machmal einen kleinen Zimpfel von ihm erhaschen. Diese Erfahrung macht uns dann vielleicht auch achtsam, denn seine Zeichen sind subtil, aber allgegenwärtig. Sind wir innerlich still, hören wir sie am lautesten.

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