Partielle Mondfinsternis

Der Spiegel verdunkelt sich

Diesen Moment kennen die meisten Frauen, mit denen ich arbeite. Man sitzt am Tisch, jemand fragt, ob man das übernehmen könne, und noch bevor irgendjemand darüber nachgedacht hat, hört man sich Ja sagen. Das Ja war schneller. Es kam aus einer Ecke, in der man selbst gar nicht gesessen hat. Den ganzen Abend sucht man dann nach der Stelle, an der man es hätte aufhalten können, und findet sie nicht, weil es sie nicht gibt.

Am Freitagmorgen, dem 28. August, zeigt der Himmel genau davon ein Bild.

Zwischen halb fünf und Viertel nach sechs schiebt sich die Erde zwischen Sonne und Mond. Der Kernschatten erreicht die Mondscheibe um 4:34 Uhr, um 6:13 Uhr ist die Verfinsterung am größten, dreiundneunzig Prozent stehen dann im Dunkeln. Exakt wird der Vollmond um 6:19 Uhr, wenn er bei uns im Norden längst unter dem Horizont steht. Der Höhepunkt findet also statt, ohne dass irgendjemand ihn sehen kann.

Drei Dinge an diesem Morgen sind bemerkenswert, und alle drei haben mit dir zu tun.

  • Der Mond besitzt kein eigenes Licht. Er ist ein Spiegel, nichts weiter, und alles, was uns an ihm rührt, ist geliehene Sonne.
  • Der Schatten, der ihn auslöscht, kommt nicht aus dem Weltall. Ihn wirft die Erde, jener Planet also, auf dem du gerade stehst.
  • Ein schmaler Rand bleibt trotzdem hell, denn diese Finsternis wird keine totale. Etwas an diesem Mond erreicht der Schatten schlicht nicht.

Was am Himmel steht

Sonne in der Jungfrau, Mond in den Fischen, dazwischen jene Opposition, die jeden Vollmond ausmacht. Merkur steht dicht bei der Sonne, das nüchterne Prüfen mischt sich also ein und da sind natürlich auch noch die Mondknoten. Was diesen Vollmond von anderen unterscheidet, sind drei Strukturen.

Uranus in den Zwillingen im Quadrat zu Sonne und Mond. Damit steht der Störer an der Spitze eines T-Quadrats. Uranus in den Zwillingen schickt schnelle Einsichten, Unruhe und tausend Impulse, die alle klug klingen und von denen keiner bleibt. An ihm entlädt sich die Spannung dieser Finsternis.

Chiron rückläufig im Stier im Trigon zur Sonne und im Sextil zum Mond. An der Oppositionsachse hängt damit ein Auslösungsdreieck, dessen Auslösepunkt ausgerechnet die alte Verletzung im Leiblichen ist. Der Weg aus der Spannung führt über den Körper, über das also, was sich zeigt, statt sich zu erklären.

Mond in Konjunktion zum aufsteigenden Mondknoten. Der Knoten läuft im Wassermann, der Mond steht in den Fischen. Wohin es gehen soll, ist damit wassermännisch beschrieben: Freiheit, Eigenständigkeit, auf eigenen Füßen stehen. Der Mond bringt die Fische mit, also Durchlässigkeit, Mitgefühl und die Fähigkeit, die Grenze zwischen sich und einem anderen für einen Moment aufzuheben.

Der Himmel stellt an diesem Morgen eine ausgesprochen präzise Frage. Wie wirst du selbstbestimmt, ohne dabei hart zu werden?

Die Stelle, an der es weh tut

Nun zu jenem Aspekt, der in diesem Horoskop die eigentliche Arbeit macht. Mars im Krebs im Quadrat zu Saturn rückläufig im Widder. Mars ist der Wille, und er steht im Zeichen der Zugehörigkeit. Ein Mars im Krebs kämpft selten offen. Er faltet sich nach innen und fragt zuerst, was die anderen brauchen. Die eigenen Bedürfnisse stellt er hintan, oft so lange, bis er sie selbst nicht mehr findet.

Saturn läuft rückläufig durch den Widder, das Zeichen der Selbstbehauptung und des ersten Schritts. Rückläufig bedeutet, dass dieses Thema zurückkommt und sich nicht abhaken lässt.

Damit beschreibt dieses Quadrat sehr genau, was viele von euch erleben: Ausgerechnet dort, wo dein Wille sich für dich selbst zeigen müsste, steht eine alte Grenze im Weg. Ob dich das betrifft, prüfst du am schnellsten an diesen drei Situationen.

Du hast dir am Sonntagabend fest vorgenommen, am Montag dieses eine Gespräch zu führen. Die Sätze hast du dir zurechtgelegt, unter der Dusche hast du sie geprobt. Der Montag kommt, deine Hand greift nicht zum Telefon. Entschieden hast du das nicht. Es passiert einfach nicht.

Du hörst dich Ja sagen, während in dir alles Nein ruft, so wie eingangs beschrieben.

Morgens stehst du problemlos auf, teilst dir den Tag problemlos ein, entscheidest problemlos, was du kochst. Sobald jedoch ein anderer Mensch im Raum steht, und sei es nur in deiner Vorstellung, setzt etwas aus.

Hinterher sagen wir uns meistens denselben Satz: Ich habe mich mal wieder nicht durchgesetzt. Dieser Satz ist falsch, und er ist teuer. Er unterstellt nämlich, dass da jemand war, der sich hätte durchsetzen können und zu feige dafür war. So verhält es sich nicht. Da war etwas schneller als du.

Warum gute Vorsätze hier nichts ausrichten

Ein Vorsatz ist ein Gedanke. Er setzt beim Denken an, während wir aus einer ganz anderen Schicht heraus handeln. Du kannst dir zwanzig Jahre lang vornehmen, dich abzugrenzen. Du kannst Bücher darüber lesen, du kannst es in einer Therapie durcharbeiten, du kannst es dir an den Kühlschrank heften. Dann sitzt du am Tisch, jemand fragt, und du hörst dich Ja sagen.

Rudolf Steiner hat das in aller Deutlichkeit beschrieben. Der Mensch könne sich durch eine ganz leichte Selbstbesinnung davon überzeugen, wie wenig er in seinem Wollen drinstehe. Das Wollen nehme sich so aus, als ob es uns treibe. Ein Wille verändert sich durch wiederholtes, bewusstes Handeln in eine neue Richtung. Durch Einsicht verändert er sich nicht. Deshalb kannst du seit Jahren wissen, was dran wäre, und es trotzdem lassen. Das ist keine Charakterschwäche, sondern die Bauart der Sache.

Die gute Nachricht steht ebenfalls im Horoskop

Derselbe Mars steht im Sextil zur Sonne und im Trigon zum Mond, also in zwei offenen, freundlichen Verbindungen. Dein Wille ist erreichbar. Er ist weder kaputt noch erloschen noch abwesend. Er blockiert an genau einer Stelle, dort nämlich, wo Saturn steht. Das entlastet erheblich, denn es bedeutet: Du hast kein grundsätzliches Willensproblem. Du hast eine Stelle. Eine einzige.

Diese eine Stelle ist allerdings ausgerechnet jene, die du selbst am schlechtesten sehen kannst. Mit Intelligenz oder Ernsthaftigkeit hat das nichts zu tun. Wer im Labyrinth steht, sieht den Ausgang deshalb nicht, weil er drinsteht.

Der Herbst hält ein Fenster offen

Saturn läuft seit dem Sommer rückläufig durch den Widder und wird am 11. Dezember wieder direktläufig. Rückläufige Phasen bringen keine Abschlüsse, sie bringen Wiedervorlagen. Alles, was mit Selbstbehauptung zu tun hat, mit dem eigenen Anfang und mit der Frage, was ein Neuanfang kostet, liegt in diesen Wochen noch einmal auf dem Tisch. Ausweichen gibt es nicht, weil Saturn den ganzen Herbst über im Widder bleibt.

Dazu kommt Jupiter im Löwen im Trigon zu diesem Saturn. Jupiter schenkt Vertrauen und Wachstum, Saturn gibt Struktur und Form. Vertrauen allein verpufft, Struktur allein wird zur Pflichtübung. Zusammen ergeben beide etwas, das trägt. Wer in diesem Herbst an seiner Stelle arbeitet, arbeitet also mit der Zeit statt gegen sie.

Zwei Wege, damit weiterzugehen und dein Herbstkompass

Der Vollmond vom 28. August berührt jedes Horoskop woanders und somit klingt auch der Hernstbegonn für jeden anders. Bei der einen trifft die Achse Jungfrau/Fische die Partnerschaft, bei der nächsten den Beruf, bei der dritten den eigenen Körper. Für Saturn im Widder und den Mondknoten im Wassermann gilt dasselbe.

Genau dafür gibt es den Herbstkompass. In dieser schriftlichen Impulsanalyse sehe ich mir dein Geburtshoroskop an und schreibe dir auf, wo die Konstellationen dieses Herbstes, genau gesagt am Tag des Herbstäquinoktiums , bei dir konkret ankommen: welche Lebensbereiche berührt sind, wann die Themen sich zuspitzen und worauf du deine Aufmerksamkeit legen solltest.

Dein Horoskop ist übrigens das einzige Dokument über dich, an dem niemand mitgeschrieben hat. Keine Erwartung deiner Mutter steht darin, kein Urteil deines Chefs, keine Geschichte, die du dir über dich selbst erzählst, seit du siebzehn bist.

Das zwölfwöchige Coaching

Für die eine Stelle, an der dein Wille blockiert, reicht eine Analyse nicht aus. Dafür braucht es Zeit und Form, und beides lässt sich nicht abkürzen. Es braucht Zeit, weil ein Wille sich durch einen Vorsatz nicht umprogrammieren lässt. Das erfahren wir jedes Jahre wenige Tage nach Silvester, wenn wir trotz bester Vorsätze in unsere alten Gewohnheiten zurückfallen.

Neben Zeit braucht es eine Form, weil das Neue anfangs nichts hat, woran es sich halten kann, und andernfalls im Alltag zerläuft. Der Raum, den wir in diesem Coaching halten ist eine solche Form, die dich dabei unterstützt, wirklich ins Tun zu kommen. Zwölf Wochen entsprechen genau dem Zeitraum, den Saturn in diesem Herbst offenhält. Wer Anfang September beginnt, ist zum Richtungswechsel im Dezember durch. Wir schauen gemeinsam auf dein Geburtshoroskop, auf jene Situationen in deinem Leben, die sich nicht bewegen, und darauf, was dich festhält. Schritt für Schritt bringen wir das, was du längst erkannt hast, in eine Form, die im Alltag trägt.

Falls du unsicher bist, was von beidem zu dir passt, schreib mir – per Mail oder Whatsapp. Sollte ich der Meinung sein, dass du etwas anderes brauchst, sage ich dir das auch.

Fazit

Am 28. August wandert der Erdschatten über den Mond, während die meisten von uns schlafen. Exakt wird der Vollmond um 6:19 Uhr, ob jemand hinsieht oder nicht. Darin liegt der Trost dieses Morgens. Was dich trägt, arbeitet weiter, auch wenn du schläfst. Dreiundneunzig Prozent Schatten bedeuten außerdem, dass ein Streifen hell bleibt. Er war während der ganzen Verfinsterung da. Er war da, als du funktioniert hast, und er war da, als du dich klein gemacht hast. Tu an diesem Freitag etwas, das du dir schon lange schuldig bist. Groß muss es nicht sein. Ein Anruf. Ein Satz, den du seit Monaten nicht sagst. Ein Nein. All das hat an diesem Tag eine besondere Magie… 

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