Christi Himmelfahrt

Er ging nicht weg. Er kam an.

Heute ist Christi Himmelfahrt. Und dieser Tag wird, glaube ich, von den meisten von uns gründlich missverstanden.

Wir denken: Christus steigt auf. Kehrt zurück in eine andere Sphäre. Kosmischer Abschied, feierlich und endgültig. Die Erde bleibt zurück, wir bleiben zurück, und das Kirchenjahr trauert höflich, bis Pfingsten es wieder aufheitert.

Rudolf Steiner dreht diese Vorstellung um. Und wer einmal verstanden hat, wie er das begründet, denkt diesen Tag nie wieder wie vorher.

Steiner beschreibt das Mysterium von Golgatha als die eigentliche Geburt der Christus-Wesenheit auf Erden, nicht ihren Tod. Das Leben bis zum Kreuz war Keimesleben, Vorbereitung im Verborgenen, vergleichbar dem Leben des Keimes im Mutterleib. Der Tod am Kreuz war der Geburtsmoment. Was danach folgt, die vierzig Tage der Erscheinungen, das Gespräch am Emmausweg, das Mahl am See Tiberias, das ist das eigentliche irdische Leben des Christus-Impulses, noch kaum geboren und schon schwer fassbar, aber wirklich.

Und die Himmelfahrt?

Sie ist, in Steiners Sprache, kein Weggang. Sie ist eine Verwandlung in der Unsichtbarkeit. Der Mensch geht nach dem Tod in die geistige Welt, tauscht die Erde gegen den Himmel, braucht den Abstand, um sich neu zu sammeln für das nächste Leben. Der Christus tat das genaue Gegenteil: Er verließ den Himmel, um die Erde zu seinem Wohnort zu machen, zu seinem Devachan. Er hat seinen Himmel auf der Erde aufgeschlagen. Das war das Opfer.

Und weil er in der Erde wohnt, nicht über ihr, verschwand er aus dem gewöhnlichen Anblick. Man sieht nicht, was einem zu nahe ist.

Übermorgen, am 16. Mai, ist Neumond im Stier. Ich halte diesen zeitlichen Zusammenfall für alles andere als zufällig, auch wenn ich weiß, dass das Kirchenjahr und der Mondkalender unterschiedlichen Rhythmen folgen. Aber manchmal fügen sich Rhythmen zusammen, die nicht aufeinander warten, und sagen dabei etwas, das kein einzelner von ihnen sagen könnte.

Der Stier ist das Erdzeichen. Nicht im sentimentalen Sinne von Naturverbundenheit, sondern im wörtlichen: Materie, Leib, das langsame, gründliche Einwurzeln in dem, was trägt. Sonne, Mond und Merkur stehen am 16. Mai eng beieinander in diesem Zeichen, ein seltener Dreiklang, in dem Empfinden, Sein und Denken einen einzigen ruhigen Punkt bilden. Keine Aufregung, kein Vorwärtsdrängen, kein Abwägen. Nur diese stille, körpernahe Gewissheit, die man nicht konstruiert, sondern findet, wenn man aufgehört hat zu suchen.

Genau in dieser Qualität hat der Christus-Impuls sich nach Steiner niedergelassen. Nicht im Licht, sondern im Keimen. Nicht im Sichtbaren, sondern in der Wurzel.

Steiner beschreibt, dass der Mensch einen Ätherleib trägt, der wesensgleich ist mit dem Ätherleib der Erde. Die Kraft, die den Samen aus dem Dunkel treibt, die der Wurzel weiß, wo Wasser ist, ist aus demselben Stoff gewoben wie das, was in uns heilt und wächst. Wenn wir im Wald sitzen und spüren, wie sich etwas in uns entspannt, das vorher angespannt war, ohne dass wir etwas dafür getan hätten, dann ist das keine Erholung im üblichen Sinn. Dann treten zwei Ätherleiber in Berührung.

Und in diesen Ätherleib der Erde, in diese lebendige, durchwebte, keimende Wirklichkeit unter unseren Füßen, hat sich der Christus-Impuls seit der Himmelfahrt eingewoben. Das jedenfalls ist Steiners Gedanke, und er hat eine Schwere und eine Helligkeit zugleich, die mir nicht lässt.

Christi Himmelfahrt ist keine Entfernung. Es ist die tiefste Inkarnation.

Und der Neumond im Stier ist die Einladung, das nicht zu denken, sondern zu spüren. Die Hände auf den Boden zu legen. Einem Baum den Rücken anzulehnen. Einen Moment lang aufzuhören, irgendwo ankommen zu wollen, weil man vielleicht schon da ist.

Uranus zieht inzwischen bereits in die Zwillinge hinüber und meldet sich als leises Kribbeln am Rand dieser Stille: das Einwurzeln ist kein Rückzug. Je tiefer die Wurzel, desto freier wächst, was oben entsteht. Was du in der Stille findest, will Form werden. Aber erst die Stille.

Vielleicht ist das die Botschaft dieser zwei ungewöhnlichen Tage, die so dicht aufeinander folgen.

Er ist nicht gegangen. Er ist angekommen. In der Erde. In dem, was keimt, wenn wir bereit sind, einen Augenblick lang wirklich still zu werden.

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Ilona Krämer
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